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Dieser Artikel aus der jungen Welt vom 17.07.2003 wird Ihnen empfohlen.

Kongo-Einsatz der Bundeswehr: Was macht die Friedensbewegung?
jW fragte Ekkehard Lentz, Sprecher des Bremer Friedensforums
                           Interview: Wolfgang Pomrehn

F: Das Bremer Friedensforum fordert die Bundesregierung auf, nein zum
Einsatz im Irak zu sagen. Werden da nicht Eulen nach Athen getragen.
Immerhin hat Bundeskanzler Schroeder schon erklaert, dass er gegen eine
deutsche Beteiligung an den Besatzungstruppen ist.


Unsere Rolle ist auch ein bisschen die des Mahners. Das war vor dem Krieg so
und ist es auch danach. Es kann nicht angehen, dass die USA die
Verantwortung, die sie mit dem Krieg uebernommen haben, an andere Laender
delegiert, schon gar nicht an jene, in denen die Ablehnung des Kriegs am
groessten war. Ich denke, es kann nichts schaden, die Bundesregierung weiter
unter Druck zu setzen, damit sie bei einem konsequenten Nein bleibt.


F: Gibt es nicht dringlichere Aufgaben? Inzwischen sind 800 franzoesische
Soldaten im Kongo. Die Bundeswehr hat die Logistik der Operation
uebernommen.


Es ist sehr bedenklich, dass alle Probleme mit militaerischen Mitteln
geloest werden sollen. Insofern gibt es jeden Tag Anlass fuer Proteste. Ob
das von Frankreich angefuehrte erste militaerische Eingreifen der EU
unabhaengig von der NATO ein Schritt in die richtige Richtung ist, muss wohl
mehr als bezweifelt werden, wenn man die Ergebnisse im Irak und in
Afghanistan betrachtet.


F: Sie meinen, die Bundeswehrsoldaten sollen Probleme loesen? Immerhin ist
es ein gemeinsamer deutsch-franzoesischer Einsatz, und Frankreich ist in den
diversen Stellvertreterkonflikten in Zentralafrika seit langem Kriegspartei.


Das ist richtig. Ich hege grosse Skepsis gegenueber dem geplanten
militaerischen Einsatz. Beim Krieg in Zentralafrika geht es nicht nur um
Stammesfehden, sondern um Gold, Diamanten und vor allem das Erz Coltan, aus
dem Tantal fuer die Chips in unseren Handys gewonnen wird. Zu
offensichtlich sind auch hier die wirtschaftlichen Interessen, diesmal der
EU-Staaten.


F: Sollte da das Thema Kongo nicht mehr als nur eines unter vielen sein?


Seit Jahren wurde die Chance vertan, Druck auf die sich im Kongo
einmischenden Nachbarlaender auszuueben und den Waffenexport ins Land zu
unterbinden. Die Friedensbewegung hat sich bisher zu wenig um diese Probleme
gekuemmert.


F: Aehnlich vergessen scheint auch der Afghanistan-Kampfeinsatz der
Elitetruppe KSK zu sein. Am Hindukusch fuehren deutsche Soldaten noch immer
Krieg - und die deutsche Friedensbewegung schweigt?


Diesen Eindruck kann ich so nicht teilen. Bei naeherem Hinsehen laesst sich
in Afghanistan eineinhalb Jahre nach dem offiziellen Ende des Kriegs
keinerlei Fortschritt in Richtung wirtschaftlicher Aufbau, Demokratie und
Menschenrechte ausmachen. Nicht nur am wieder zunehmenden Zwang fuer Frauen,
sich zu verschleiern, laesst sich das Scheitern des Krieges als "Akt der
Befreiung" ablesen. Die Taliban sind laengst nicht ausser Gefecht gesetzt.
Wir haben auf unseren Demonstrationen und Kundgebungen immer gesagt, dass
Soldaten, erst recht deutsche Soldaten, dem Land keinen Frieden bringen
koennen. Afghanistan zeigt, dass militaerische Gewalt keine Konflikte loest.


F: Was steht fuer das Bremer Friedensforum in den naechsten Monaten auf dem
Programm?


Eine ganze Menge. Zum einen planen wir unsere traditionelle Mahnwache am 6.
August, dem 58. Jahrestag des Atombombenabwurfs auf Hiroschima. Dann
bereiten wir den Antikriegstag vor; geplant ist eine Veranstaltung mit
Tobias Pflueger am 2. September zum Thema verteidigungspolitische
Richtlinien der Bundeswehr. Und schliesslich haben wir in diesem Jahr auch
einen Grund zum Feiern: Das Friedensforum wird 20 Jahre alt, und aus diesem
Anlass zeigt am 4. November in Bremen das Aktionstheater Berliner Compagnie
seine neue Produktion "human bombing".


Den Artikel finden Sie unter:
http://www.jungewelt.de/2003/07-17/017.php

(c) Junge Welt 2003
http://www.jungewelt.de

 

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